Naturwabenbau im Brutraum
Vor nicht allzu langer Zeit, jedoch mit nachhaltiger Wirkung, hat vor rund 150 Jahren August Freiherr von Berlepsch das bewegliche Rähmchen und kurz darauf Johannes Mehring die Mittelwand erfunden. Dadurch wurde die Wabe zum entscheidenden Instrument bei der Lenkung und Steuerung der Volksentwicklung und damit zum Intrument des/der Imker/in um das Brutnest zu manipulieren.
Ferdiand Gerstung wies in seinem Buch „Der bien und seine Zucht“ bereits 1903 in der 1. Auflage mit Nachdruck darauf hin:
„Der größte technische Fortschritt (das bewegliche Rähmchen) in der praktischen Bienenzucht des vorigen Jahrhunderts ist der ganzen Bienenzucht zum Fluche geworden. Ja, aus den Augen des Biens betrachtet, dürfte die bewegliche Wabe als der aller gefährlichste Feind erscheinen, da sie es gerade ist, die den kenntnislosen Imker verführt, fortwährend die inneren Gesetzmäßigkeiten und die Ordnung des Biens zu stören, auseinanderzureißen, was zusammengehört und halsbrecherische Kunststücke mit dem beweglicher Bau zu probieren.“
Dass dies heute weiterhin so ist, bezeugt heute nahezu jede Imkerliteratur und jedes Video zur Bienenhaltung.
Betrachtet man eine Naturbauwabe genauer, so fällt auf, dass die Zellgrößen auf ein und derselben Wabe sich in der Größe unterscheiden. Auch die Baurichtung ist nicht immer nur horizontal ausgelegt. Hier an diesem Bild wird deutlich, dass zunächst zwei Bautrupps tätig waren und beim Zusammentreffen dann sogenannte „Übergangszellen“ eingebaut wurden. Außerdem werden die Zellen auf der rechten Seite nach außen hin größer, haben jedoch nicht den Durchmesser einer Drohnenzelle. Ab der 6. Zellreihe von unten gerechnet verbinden sich die beiden Bautrupps zu einem.
Der Farbunterschied der Zellränder gegenüber den Zellwänden zeigt, dass diese wulstartig enden. „Zusammen bilden diese Wülste ein duchgehendes Netz mit sechseckigen Maschen“ (Prof. Dr. Tautz in Phänomen Honigbiene).
Schon seit vielen Jahrzehnten ist aus Untersuchunen in Frankreich, England Schweden und den USA (vgl. Seely u.a.) bekannt, dass Bienenvölker, die auf Waben mit natürlichen Zellbau leben, vitaler sind und ohne Varroabehandlung auskommen. (vgl. Seely u.a.)
In den sogenannten „Drittländern“, in denen die Varroa erst Anfang dieses Jahrhunderts eingetraf, war und ist Schwarmbienenzucht und Naturwabenbau die Regel. Heute werden auf der Erde in diesen Ländern insgesamt mehr Bienenvölker behandlungsfrei gehalten als behandelte Völker.
Mit der Zellprägung der künstlichen Wabe kann die Anzahl der Drohnen, der so genannten „nutzlosen Fresser“ nach der Vorstellung des Imkers gesteuert werden. Weiterhin bekam die Methode Auftrieb durch den Rückgang der Nachfrage nach Bienenwachs, da zunehmend pflanzliche Öle und Fette zur Herstellung von Kerzen verwendet wurden. Innerhalb kurzer Zeit wurde der Naturwabenbau bis auf die Heideimkerei vollkommen verdrängt. Auch die Vorgabe der Arbeiterinnen-

